Eisenbahnlinie von Thannhausen nach Dinkelscherben seit 1894

100 Jahre Jubiläumsfahrt am 4.12.1994

125 Jahre Feier am 27.10.2019 - Ausstellung des Heimatvereins Thannhausen

Warum gibt es in Thannhausen eine Bahnhofstraße?

 

Thannhausen bekommt einen Bahnhof (Heimatheft Nr. 19)

Im Jahr 1894 wurde die 14 km lange Eisenbahnstrecke zwischen Thannhausen,
Ziemetshausen, Uttenhofen, Oberschöneberg und Dinkelscherben eröffnet.

Der Zug fuhr täglich dreimal. Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde.

1966 wurde der Personenreiseverkehr eingestellt.
Güterverkehr und Ausflugsverkehr (Nostalgiefahrten) waren noch möglich.

1993  wurde das Bahnhofsgebäude abgerissen.

1994  Fest mit Sonderfahrten zum 100-jährigen Jubiläum der Bahnstrecke
(Videofilm dazu im Materialkoffer)

2004  wurde der Güterverkehr eingestellt.

2007 wurden die Schienen abgebaut.

Info auf Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Dinkelscherben%E2%80%93Thannhausen

Bilder von der Bahnstrecke Thannhausen - Dinkelscherben:

http://www.vergessene-bahnen.de/Ex410d_1.htm

6.6.2015 Mittelschwäbischen Nachrichten:

 

Der Bahnlinie Thannhausen – Dinkelscherben fehlte jahrzehntelang die Genehmigung, dann ging der Bau ganz schnell. 100 Jahre später fuhr der letzte Güterzug

Von  Hans Bosch

Krumbach – Günzburg hat a Bah, da Hayde bindt ma hinda na!“ Dieser Spottvers aus der Zeit um 1890 war dem damaligen Ziemetshauser Bürgermeister zugedacht, der zusammen mit seinem Thannhauser Kollegen Rinn und Superior Ringeisen aus Ursberg schon viele Jahre vorher um eine Bahnlinie von Augsburg ins Mindeltal gekämpft hatte. Trotz ihres enormen Einsatzes war das Trio nicht erfolgreich, denn Krumbach als westlicher „Gegner“ wollte eine Bahnlinie aus Richtung Günzburg und erhielt die Genehmigung zu deren Bau 1892.

Die beiden Bürgermeister und der Geistliche ließen jedoch nicht locker. Ihnen ist letztlich zu verdanken, dass die gewünschte Bahn zwischen Dinkelscherben und Thannhausen zwei Jahre später doch verwirklicht wurde. Es dauerte nur sechs Monate, dann war die 13,85 Kilometer lange Bahnlinie gebaut und noch am 15. Dezember 1894 fand die Eröffnungsfeier statt, der einen Tag später der fahrplanmäßige Betrieb folgte.

Täglich waren es vier Zugpaare

In den folgenden Jahren verkehrten täglich vier Zugpaare auf der Strecke, die in 57 Minuten mit Halts in Oberschöneberg, Uttenhofen und Ziemetshausen den Übergang vom Zusam- ins Mindeltal bewältigten. Die Frequenz an Reisenden und auch der Güterverkehr ließ sich anfangs gut an, doch verloren die schwäbischen Nebenbahnen bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viel von ihrer vorherigen Bedeutung. Die Thannhauser Strecke machte keine Ausnahme. Das Ergebnis:

1966 folgte die Einstellung des Personenverkehrs,

1999 fuhr der letzte Güterwaggon und zwei Jahre später war die Stilllegung perfekt.

Abbau des Gleiskörpers ab dem Jahr 2007

Mit dem Abbau des Gleiskörpers wurde erst zu Beginn des Jahres 2007 begonnen. Letzte Reststücke liegen noch immer im Schotterbett der früheren Haltestelle. Sichtbar sind dort auch noch ein Teil der Gebäude wie Lagerhaus und Lokschuppen. Sie sind teilweise leer oder werden als Lager für Gebrauchtwagen genutzt. Insgesamt bietet der Bahnhofsbereich einen trostlosen Anblick, den auch einige neuere Lagerbauten in der Nachbarschaft nur wenig verbessern.

Bleibt die Frage, die noch immer manchen Thannhauser Naturfreund bewegt: Warum wurde die Trasse mit ihrer höchstens sechsprozentigen Steigung nach dem Gleisrückbau nicht zu einem Fahrradweg umgestaltet? Der Landkreis will sich zur attraktiven Radlerregion mausern.

In dieses Konzept würde doch gut ein kreisübergreifender Radweg zwischen dem Mindeltal und der Reischenau passen, für den sich die ehemalige Bahntrasse nach einem erneuten „Rückbau“ vom Urwald zum Radweg geradezu anbietet. Blättern wir noch einmal in die Anfangsgeschichte zurück. Hans Bronnenmaier, Herausgeber des Thannhauser Heimatbuches schreibt: „Die Bestrebungen um Verkehrserschließung reichen in Thannhausen nachweislich in die Jahrhundertmitte zurück, noch ehe die Illertalbahn und die Strecke Buchloe - Memmingen erbaut wurden.“ Zur Diskussion standen auch Pläne einer Mindeltalbahn von Burgau über Thannhausen, Kirchheim bis Mindelheim und zusätzlich von Gessertshausen über Fischach nach Thannhausen und weiter über Krumbach, Babenhausen nach Memmingen.

Unverständlich ist für Hans Bronnenmaier, dass Thannhausen seinen Bahnhof „ausgesucht unpraktisch und unschön platzierte“, habe doch Ringeisen Ursberg als „Endstation“ gefordert, was den Bahnhof weiter im Süden des damaligen Marktes als sinnvoller erscheinen ließ.

Trotzdem wurde die Eröffnung der neuen Bahnlinie mit einem „großen Bahnhof“ gefeiert, wie im „Krumbacher Boten“ zu lesen ist. Zahlreiche Ehrengäste bestiegen bei strömendem Regen ab 9.30 Uhr in Dinkelscherben den aus fünf neuen „außerordentlich zweckmäßig eingerichteten Personenwagen mit II. und III. Klasse“ und gezogen von einer reich mit Fahnen und Kränzen geschmückten Dampflok bestehenden Zug.

An jedem Halt und besonders in Ziemetshausen war der ganze Markt zum Bahnhof gekommen, die Schuljugend schwenkte Fähnchen und die Blechmusik spielte flotte Märsche. Gegen 12.30 Uhr fuhr der Zug in Thannhausen ein. Der Empfang musste wegen des Regens allerdings ins Festlokal Post verlegt werden, wo für 200 Ehrengäste gedeckt war. Am „Bähnle“ selbst hat sich in den folgenden Jahren nicht mehr viel geändert.

Die Personenbeförderung war rückläufig

Es blieb viele Jahre bei den vier oder auch drei Zugpaaren mit zeitweisem Stillstand während der Kriegsjahre wegen Kohlenmangel. Gesteigert hat sich in den ersten Jahrzehnten und nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Güterverkehr beträchtlich; dagegen ging die Personenbeförderung durch die schnelleren Linienbusse nach Augsburg kontinuierlich zurück.

Nicht in Erfüllung ging der Wunsch aus den an der neuen Bahn liegenden Orte, deren Bürger einen Nachtzug wollten, der gegen 22 Uhr in Augsburg abfahren sollte. Er wurde schlicht abgelehnt. Statt dessen kamen zur Freude vieler Fuggerstädter in der Frühe in einem Zeitraum von 25 Minuten zwei Züge in Richtung Ulm hinzu. Die betroffenen Gemeinden waren „arg enttäuscht“ und sprachen von einem „unleugbaren Missstand“, denn „wir hatten uns getröstet, dass mit der Eröffnung der neuen Bahn unsere Wünsche erfüllt würden, allein nun können wir auch diesen Winter abends schön daheim bleiben“.