Ahnenforschung Greiner und Hartmuth in Ried

Stammbaum von Anna Landherr, geb. Greiner,

Geb. am 27.4.1912 in Ried Nr. 2 ½ , verh. seit 3.5.1937 mit Georg Landherr (1906-1984) in Breitenbronn Nr. 43; gest. 6.11.2003 in Thannhausen

Geschwister: Otto Greiner (1906-1956), Molkereimeister in Greifenberg, verh. mit Käthe Böck (1909-1994); Jakob Greiner (1907-1990), Landwirt, Schneider und Bürgermeister in Ried, verh. mit Maria Micheler (1906-1956); Theresia (1908-1913); Maria (1909-1910); Blandine (1911-1995), Franziskanerin im Kloster Au/Gars und 30 Jahre in Brasilien (1938-1967) als Erzieherin tätig; Xaver (1913-1967), als Missionar der “Weißen Väter” 17 Jahre in Afrika/Burundi; Karl (1914-1990), Redemptoristen-Pater in Gars, Forchheim u.a. Klöstern, Primiz im Mai 1948; Josef Greiner (1916-2002), Landwirt Auerbach, verh. mit Emma

Eltern von Anna Landherr:
Jakob Greiner,
7.5.1881 - 1.7.1957, geb. in Ustersbach, Schneidermeister, Bauer und Bürgermeister in Ried, 1905 Hochzeit mit Anna Hartmuth aus Ried
Anna Hartmuth, 29.11.1880 - 10.11.1959, geb. in Ried; sie hatte 5 Geschwister: Theresia geb. 1882, verh. Gretz in Mödishofen; Karl geb. 1893, sog. „Anrieder“, Schneider in Anried, verh. mit Karoline Wiedemann aus Ustersbach; Maria geb. 1897, verh. Engelmayer in Auerbach; 2 Kinder früh verstorben: Josef (1885) und Maria Amalia (1892)

 

Großeltern Greiner:

Michael Greiner, geb. 1850 in Edelstetten Nr. 37, seit 1879 Schreiner in Ustersbach und verh. mit Philomina Beintner, geb. 1851 in Ustersbach; Michael starb bereits 1882 (!), als Sohn Jakob erst ein Jahr alt war; seine Mutter Philomina war danach verheiratet in 2. Ehe mit Michael Wagner aus Ustersbach; deren Sohn und Stiefbruder von Jakob war Xaver Wagner, sog. "Xaverdotle", Wegmacher in Ustersbach

 

und weitere Vorfahren:

Michaels Eltern und Ur-Großeltern von Anna Landherr waren Sebastian Greiner, Söldner aus Edelstetten, geb. 1820, verh. seit 1843 mit Theresia Vicari aus Edelstetten, geb. 1818

Sebastians Vater und Ur-Ur-Großvater von Anna Landherr hieß Michael Greiner und lebte ebenfalls in Edelstetten.

 

Edelstetten liegt im jetzigen Landkreis Günzburg im Haseltal und gehört seit der Gebietsreform 1972 zur Marktgemeinde Neuburg an der Kammel.
Eine Sölde nannte man den Hof und Grund eines Söldners. Dieser war kein Soldat, sondern ein Kleinbauer oder Häusler, der manchmal auch etwas Vieh besaß, aber in der Regel davon allein keine Familie ernähren konnte. Somit musste er als Tagelöhner oder Handwerker zusätzlich einen Lohn  „Sold“ dazuverdienen.

Der Name Greiner wird abgeleitet aus dem im Mittelalter ausgeübten Beruf der Glasmacher. Das Wort grien (mittelhochdeutsch) bedeutet ‚grober Sand‘. Da Glas auch aus Sand hergestellt wird und die Greiner den Glasmacherberuf ausübten, ergibt sich folgende Namensentwicklung: Griener – Gryner - Greiner.

 

Bilder unten: Register Taufen - Fam. Greiner Ried von 1906-1949

Großeltern Hartmuth von Anna Landherr (mütterlicherseits)

und Chronik der Familien Hartmuth ab ca. 1580

Karl Hartmuth (1856-1903) geb. in Ried Nr. 2 1/2 , Schreinermeister in Ried, verh. mit Maria Schaule (1854 – 1906) aus Grimoldsried; Heirat 1880
Sie hatten 6 Kinder: Anna (geb. 1880), verh. Greiner in Ried; Theresia, verh. Gretz (1882) in Mödishofen, Karl sog. „Anrieder“ (1893) in Anried verh. mit Karoline Wiedemann aus Ustersbach; Maria verh. Engelmayer (1897) in Auerbach; 2 Kinder früh verstorben: Josef 1885 und Maria Amalia 1892

Bild: Familien von Anna Greiner, geb. Hartmuth in Ried und Karl Hartmuth, Anried

Karls Eltern und Anna Landherrs Ur-Großeltern waren: Joseph Hartmuth, geb. 1816 in Gundelfingen – Schreinermeister in Ried Nr. 2 ½; in 1. Ehe ab 1844 verh. mit Viktoria Zott, Bauerstochter aus Osterkühbach, geb. 1818; gest. 24.3.1849 bei der Geburt des 4. Kindes wegen Kindbettfieber; Kinder: Johann, geb. 1845, Uhrmacher in München und Joseph, geb. 1848 verh. in München. Früh gestorben sind Anna Maria 1846, Margareta 1849.

Joseph Hartmuth war verheiratet in 2. Ehe ab 24.7.1849 mit Theresia, geb. Wiedemann (1820 – 1898) aus Ziemetshausen, Tochter des Wagnermeisters Pius Wiedemann und seiner Ehefrau Veronika; sie hatten 7 Kinder, von denen 3 überlebten: Maria Anna (1851-1922), verh. Schuster in Habertsweiler; Karl (1856-1903) siehe oben und Edmund, Beamter in Chemnitz (starb im Alter von 21 Jahren). Früh gestorben sind Anton 1850, Anton 1852, Karolina 1861, Lorenz 1865. Joseph Hartmuth starb 1892 in Ried.

Bilder unten: Heiratsregister Ried von Joseph Hartmuth und Theresia Wiedemann 1849; Register Familienbuch Ried 2 1/2 bis 1905 über Joseph und Karl Hartmuth / Jakob Greiner und Anna Greiner

Josephs (geb. 1816) Vater und Anna Landherrs Ur-Ur-Großvater war Joseph Anton Hartmuth, geb. 1777 in Dillingen. Er ist einer der ersten Hartmuths damaliger Zeit, der nicht von Beruf Schreiner oder Tischler war. Er siedelte von Dillingen in den Heimatort seiner Mutter Anna Barbara Müller nach Gundelfingen und wurde Bäckermeister. Er heiratete 1801 Margaretha Fauser, die Tochter des dortigen Schäfflers/Böttchers Michael Fauser. Joseph Anton und Margaretha hatten insgesamt 18 Kinder, von denen aber 10 bereits früh starben (siehe auch Info zur Kindersterblichkeit unten). Zwei Söhne (Johann Michael und Johannes) wurden katholische Priester und waren somit die ersten Akademiker („Gschdudierte“) des Hartmuth-Geschlechts. Als einziger setzte Sohn Joseph (geb. 1816) das Geschlecht fort und lernte zudem wieder das (sonst übliche) Schreinerhandwerk als Tischler in Ried. (siehe oben).

 

Info über die hohe Kindersterblichkeit in damaliger Zeit: Gründe lagen im medizinischen Wissen, der ärztlichen Versorgung und der Armut der damaligen Zeit. Es waren vor allem Erkrankungen der Verdauungssysteme und der Atmungsorgane. Säuglinge wurden oft der Kälte ausgesetzt, indem sie z. B. schon bald nach der Geburt auch bei Kälte in der Ortskirche getauft wurden oder an kühlen Tagen oder in kalten Wohnungen unangemessen bekleidet waren und an einer Lungenentzündung erkrankten. Ein Grund war auch, dass viele Kleinkinder statt gestillt zu werden mit Kuhmilch und Mehlbrei ernährt wurden. Ein weiteres Problem waren die sog. „Schlotzer“, die Vorläufer des heutigen Schnullers. Das waren Tücher, die man mit Lebensmitteln füllte, um die Kinder zu beruhigen.
Weitere Gründe waren die Trinkwasserversorgung, mangelnde Hygiene, Epidemien (z.B. Cholera, Typhus oder Fleckfieber Ende des 19. Jahrhunderts), schmutzige und primitive Wohnungen, die teilweise im Stall oder mit dem Stall verbunden waren. Die Menschen litten unter Kriegen und allg. Hungersnöten. Ganz schlimm war die Zeit im Jahr 1816, im „Jahr ohne Sommer“, und danach aufgrund eines Vulkanausbruchs in Indonesien. Noch um das Jahr 1900 lag die Kindersterblichkeit bei 20 Prozent.

 

Joseph Antons Vater war Josef Anton Hartmuth (1744-1732). Er lernte (wie üblich in der Hartmuth-Generation seit über 200 Jahren) das Schreinerhandwerk und war Meister in der Werkstatt „Am Plätzle“ in Dillingen. 1772 heiratete er Anna Barbara Müller aus Gundelfingen. Sie starb nach 8 Kindern (darunter Joseph Anton, geb. 1777 – siehe oben) im Jahr 1783. Nach einer 2. Ehe ab 1784 starb Josef Anton im Jahr 1832 im Alter von 88 Jahren in Dillingen.

 

Josef Antons Vater war Josef Hartmuth (1716-1793), Schreinermeister und Bildhauer in Dillingen. Er wurde in Kirchdorf bei Haag geboren, lernte bei seinem Vater das Tischler-Handwerk und zog als Geselle auf Wanderschaft. In Dillingen heiratete er 1743 die Schreiner-Witwe Maria Anna Michler und übernahm die Werkstatt „Am Plätzle“. Damit wurde er auch in die Zunft aufgenommen und hat er den Meisterbrief erhalten. Josef machte sich als Bildhauer einen Namen und baute Altäre und Kanzeln, z.B. in Donaualtheim und Welden. In der Jesuitenkirche (Studienkirche) in Dillingen kann man  noch heute den Choraltar und die Kanzel im Rokoko-Stil bewundern. So wurde Josef auch Senator (Ratsherr) in der Stadt Dillingen und erhielt den Ehrentitel „Dominus“. 1780 starb seine Frau Anna Maria, mit der er 6 Kinder hatte, darunter Josef Anton (geb. 1744; siehe oben). Sieben Wochen nach dem Tod heiratete er die Schreinerwitwe Maria Magdalena Weiß aus Dillingen.  

Bilder unten: Choraltar und Kanzel in der Jesuitenkirche in Dillingen - Das sog. Becherer Anwesen am Plätzle in Dillingen, das Wohnhaus der Familien Hartmuth

Josefs Vater war Hans Andreas Hartmueth, geb. 1698 in Altenmarkt an der Alz nördl. des Chiemsees. Er heiratete 1715 Margaretha, die Tochter des Schreinermeisters Eiber aus Dorfen und siedelte mir ihr nach Kirchdorf bei Haag über. Dort war er als Schreinermeister und Bildhauer tätig. Die Chor- und Beichtstühle in der dortigen Wallfahrtskirche hat er geschaffen. Er starb 1749 in Kirchdorf. Das Ehepaar hatte 8 Kinder, darunter war der Erstgeborene Josef, geb. 1716 (siehe oben)

 

Der Vater von Hans Andreas war Johannes Hartmueth (1652-1720). Er war Schreiner in Altenmarkt. Er heiratete Anna ?, hatte mit ihr 10 Kinder, darunter Hans Andreas (geb. 1698 – siehe oben) und dessen älterer Bruder Johannes. Dieser zog nach Gars am Inn und war dort Tischler und im Nebenberuf Mesner im Kloster Gars und Türmer in der Gemeinde Gars. Die Nähe von Gars zu Kirchdorf, war wohl der Grund, dass auch sein Bruder Hans Andreas in diese Gegend zog. - Es ist interessant, dass ein späterer Nachfahre der Hartmuths Pater Karl Greiner 1936 in das Kloster Gars eintrat und seine Schwester Anna Landherr dort 1937 heiratete. Schwester Maria Blandine verbrachte dort im Marienstift bis 1995  ihren Lebensabend.

 

Bilder unten: Kloster Gars und Kloster Baumburg in damaliger Zeit

Der Vater von Johannes war Samuel Hartmueth (1615-1676). Er wurde in Trostberg an der Alz (ca. 10 km nordöstlich des Chiemsees) geboren, wohnte dann etwas weiter südlich in Altenmarkt an der Alz und war Hoftischler im Kloster Baumburg. Dort war er an der barocken Umgestaltung der vormals gotischen Gebäude des Stifts und an der Renovierung der mittelalterlichen Kirche beteiligt. 1650 heiratete er Catharina Gossenhauser. Einziger Sohn war Johannes (geb. 1652, siehe oben).

 

Samuels Vater war Hans Joachim Hartmueth (ca. 1580-1628). Er wurde in der Markgrafschaft Baden im Schwarzwald in der Gegend um Lörrach am Rhein geboren. Zu Beginn des 30-jährigen Kriegs 1618 wanderte er „Mit Weib und Khindt“ in den Chiemgau und baute dort als Schreiner in Rötteln bei Trostberg eine Existenz auf. Der Grund für den Umzug mag wohl gewesen sein, dass man in dieser Zeit für den Dom des Salzburger Doms Bauhandwerker suchte. Sein Sohn war Samuel (geb. 1615 – siehe oben)

 

Die Hartmuth bzw. Hardtmuth  Chronik wurde 1943 von Erich Wasmansdorff aus Berlin verfasst und von Egon Edler von Hardtmuth aus Steinreb 1966 ergänzt und herausgegeben.

 

Diese Zusammenfassung und Aktualisierung wurde nach dieser Chronik und eigenen Aufzeichnungen von Karl Landherr im September 2021 erstellt.


 

Bildergalerie Greiner und Hartmuth in Ried