Christoph von Schmid
war einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendschriftsteller des 19. Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk ist das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“, das neuesten Forschungen zufolge in Thannhausen entstanden ist.
2018 jährte sich sein Geburtstag zum 250. Mal. Wirkungsstätten des 1768 in Dinkelsbühl geborenen Priesters und Schriftstellers waren nach seinem Studium in Dillingen die Pfarreien in Nassenbeuren, Seeg, Thannhausen, Oberstadion und das Domkapitel Augsburg.
Das Denkmal in Thannhausen wurde auf Initiative von Stadtpfarrer Jakob Zwiebel 1901 errichtet.
Staats- und Stadtbibliothek Augsburg: Info zur Aussstellung mit 9 verschiedenen Melodien https://www.sustb-augsburg.de/ihr-kinderlein-kommet/
Süddeutsche Zeitung Artikel zur Ausstellung in Augsburg vom 14.12.2018

Christoph Schmid wirkte von 1796 bis 1816 als Benefiziat/Kaplan, Lehrer/Schulinspektor und Schriftsteller in Thannhausen.

Das Bild zeigt links die damalige Volksschule (später Realschule und Rathaus), in der auch Christoph Schmid unterrichtete. Lt. Heimatbuch von Hans Bronnenmeier aus dem Jahr 1955 (S. 289) wohnte er dort zusammen mit seiner Schwester Franziska  im 1. Stock. Rechts das Mesnerhaus, in dem die Familie Höfer wohnte. Anton Höfer lebte von 1793 bis 1837 in Thannhausen und wirkte als Schulmeister, Mesner und Komponist. Sein Sohn Albert Höfer war Stadtpfarrer und Komponist zahlreicher Kichenlieder, z.B. "Jesus lebt... - Am Pfingstfest um die dritte Stunde... - Jesus du mein Heil und Leben..." https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_von_Schmid

Am 15. 8. 1768 erblickte Christoph Schmid als erster Sohn eines in den Diensten des Augsburger Domkapitels stehenden Beamten in der alten Reichsstadt Dinkelsbühl das Licht der Welt. Seine Liebe zur Natur, der Sinn für wahre Religiosität und die Freude am Erzählen wurden im Elternhaus grundgelegt. Nachdem er die Volksschule seiner Heimatstadt besucht hatte, begann er sein Studium am Gymnasium in Dillingen. Dank einer Hauslehrerstelle, die ihm zum ersten Mal Gelegenheit gab, sein pädagogisches Talent unter Beweis zu stellen, war es ihm trotz der aus dem Tod seines Vaters resultierenden finanziellen Schwierigkeiten möglich, die an der bischöflichen Universität Dillingen begonnenen philosophischen und theologischen Studien fortzuführen.

Neben anderen vortrefflichen Professoren übte vor allem Johann Michael Sailer, dem er zeitlebens in Freundschaft verbunden blieb, einen großen Einfluss auf ihn aus. 1791 wurde er zum Priester geweiht und begann seine seelsorgliche Tätigkeit als Pfarrgehilfe in Nassenbeuren. Ein Jahr später trat er die Kaplanstelle in Seeg an; dann erfolgte seine Berufung nach Thannhausen. Am "Christabend" 1796 übernahm der damals 28-jährige in Thannhausen die Aufgabe als Benefiziat und Schuldirektor der Grafschaft Thannhausen an. Privat erteilte er an Buben, die studieren wollten, Lateinunterricht.

Da er als Kaplan und Benefiziat Lehrer und Erzieher in einem war und ab 1806 auch noch die Aufgabe eines Distriktschulinspektors zu bewältigen hatte, klagte er manchmal, dass ihm für seine schriftstellerische Tätigkeit nicht mehr genug Zeit bleibe. Aber gerade die praktische Arbeit in Schule und Seelsorge wirkte sich positiv auf sein literarisches Schaffen aus, weil es ihm Lebensnähe verlieh. So entstanden in lebendigem Umgang mit der Jugend seine "Biblische Geschichte", "Das Gottbüchlein" und die Erzählungen "Die Ostereier" und "Genovefa", die seinen Weltruhm begründen halfen.

Für mich beindruckend ist seine Aufgeschlossenheit und Innovationsfähigkeit. So entstanden in Thannhausen Werke, die das gesamte Bildungswesen in Süddeutschland damals positiv beeinflussten. Im Heimatbuch sind folgende Hauptaufgaben nachzulesen:

1. Religionsunterricht mit mehreren kleinen Büchern, z.B. "Der erste Unterricht von Gott"

2. "Biblische Geschichte AT und NT" für Schulen beider Konfessionen

3. Gesangsunterricht mit einem neuen Liederbüchlein (Melodien von Kaplan Singer)

4. Briefeschreiben anhand von Musterbriefen

5. Unterricht im Freien mit passenden Geschichten

6. Arbeitsunterricht, z.B. durch Gärtner, Imker oder für in Hauswirtschaft

7. Sonntagsschule für junge Leute bis 20 Jahre

8. Schulprüfungen mit Bücherpreisen

9. "Thannhauser Laudate" mit deutschen Volksgesängen für den Gottesdienst

10. Erstkommunionfeier am Weißen Sonntag mit Beteiligung der Gesamtgemeinde

 

Insbesondere für Kinder zu schreiben war seine Leidenschaft und darin erkannte er seine Sendung. Neuesten Forschungen zufolge entstand der Text des Lieds “Ihr Kinderlein kommet” während seiner Zeit in Thannhausen. siehe auch Kath. Sonntagszeitung Augsburg vom 29.11.2018 "... Bei seinem heute bekanntesten Gedicht, „Ihr Kinderlein kommet“, hielt sich lange Zeit die Vorstellung, Schmid habe die acht Strophen während seiner Zeit in Nassenbeuren verfasst. Doch konnte, so gab Pfändtner Einblick in die Forschung, in der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek das Autograf der Verse gefunden werden, dessen Wasserzeichen und weitere Indizien auf eine Entstehungszeit um 1810 verweisen, als der Geistliche in Thannhausen wirkte. 

Veröffentlicht wurde der Text erstmals 1811 – für den Pfarreigebrauch..."

Viele Entwürfe, die er in Thannhausen begonnen hatte, konnte er erst in Oberstadion, wo er von 1816 bis 1827 als Pfarrer wirkte, vollenden. Im Jahre 1826 wurde Christoph Schmid durch König Ludwig I. von Bayern als Domherr nach Augsburg berufen. Er war für die Verwaltung des Schulwesens zuständig. Ein äußerer Glanzpunkt seines Lebens war die Erhebung in den Adelsstand durch die Ernennung zum Ritter des Verdienstordens der bayerischen Krone. Seither durfte er sich Christoph von Schmid nennen. Am 3. 9. 1854 wurde Christoph von Schmid ein Opfer der in Augsburg wütenden Cholera, doch sein literarisches Schaffen, geprägt von tiefer Religiosität, hat die Zeit überdauert. Viele seiner Kirchenlieder, wie z. B. "Beim letzten Abendmahle", "Komm Heiliger Geist auf uns herab", "Am Pfingstfest um die dritte Stunde" oder "Ihr Kinderlein kommet" sind noch heute bekannt und werden in der Kirche gesungen. Zusammen mit Anton und Albert Höfer verfasste er in seiner Zeit in Thannhausen das "Thannhauser Laudate", ein Gesangsbuch mit deutschen Kirchenliedern. Seine Schriften "Rosa von Tannenburg" oder "Der Weihnachtsabend" wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Für die Schule und die Bildung und Erziehung der Kinder in Thannhausen war es damals eine segensreiche Zeit. So wurden viele berühmte Bürger von Christoph Schmid in seiner Lateinschule, dem Schulmeister Anton Höfer, Kaplan Singer (auch Komponist) und Pfarrer Mayrhofer so unterrichtet und erzogen, dass sie später studieren konnten, z.B.

Dr. Wilhelm Bauberger war Arzt und Schriftsteller. Er wurde im Jahr 1809 in Thannhausen geboren, studierte in Wien und München und wirkte dann als Arzt in Thannhausen und Augsburg. Er fühlte sich den Menschen in seinem Heimatort eng verbunden, hatte einen Dichtersitz am Schlossberg und ließ einen Theaterbau im Englischen Garten errichten. 1883 starb er in Thannhausen, wo wir heute noch sein Grab auf dem Friedhof besuchen können. Die Klausnerin vom Karrenberge (`"D' Hex vom Karraberg")  "Eine Erzählung aus den Zeiten der Kreuzzüge für die gesamte edlere Lesewelt, besonders für die reifere Jugend" von Dr. Wilhelm Bauberger - Aufgeführt 2007 vom Burgstalltheater Burg
Albert Höfer, Sohn von Anton Höfer geb. 1802 Stadtpfarrer in Günzburg, Komponist und Musiker.
Franz Xaver Stadler war ein reicher Kaufmann in Augsburg.  Er wurde 1789 in Thannhausen geboren. 1863 stiftete er für seinen Heimatort Thannhausen ein Armen- und Krankenhaus, das Stadlerstift in der Stadlerstraße. Er starb 1865.
Albert Schäffler (geb. 1809) wanderte 1838 als Pater der Redemptoristen, einer kath. Ordensgemeinschaft, nach Amerika (Chicago, Boston u.a.) aus und betreute dort als Seelsorger die ausgewanderten Deutschen.  Von ihm stammen zahlreiche Schriften, Sing- und Gebetbücher, z.B. damals und heute noch bekannte und beliebte Gebete. Morgengebet: "O Gott, du hast in dieser Nacht so väterlich für mich gewacht. Ich lob´ und preise dich dafür und dank´ für alles Gute dir. Bewahre mich auch diesen Tag vor Sünde, Tod und jeder Plag´;  und was ich denke, red´ und tu, das segne, bester Vater du.  Beschütze auch, ich bitte dich, o heilger Engel Gottes mich. Maria bitt´ an Gottes Thron für mich bei Jesus, deinem Sohn,  der hochgelobt sei allezeit von nun an bis in Ewigkeit. Amen "Abendgebet: "Bevor ich mich zur Ruh begeb', zu dir, o Gott, mein Herz ich heb und sage Dank für jede Gab', die ich von dir empfangen hab'. Und hab ich heut missfallen dir, so bitt ich dich, verzeih es mir. Dann schließ ich froh die Augen zu; es wacht ein Engel, wenn ich ruh. Maria liebste Mutter mein, o lass mich dir empfohlen sein. Dein Kreuz, o Jesus, schütze mich vor allem Bösen gnädiglich; in deine Wunden schließ mich ein, sie sollen meine Ruhstatt sein. Amen."
Dr. Lorenz Stempfle (Primiz im Jahr 1821 in Thannhausen) war Professor für Moral und Pädagogik an der Universität Dillingen und Buchautor. Er hat das Leben seines verehrten Lehrers Anton Höfer in einer Gedenkschrift  aufgeschrieben. Er war wie Franz, Xaver Stadler, Wilhelm Bauberger, Albert Höfer und Albert Schäffler  ein Schüler von Anton Höfer und Christoph von Schmid.
Ca. 100 Jahre später war Jakob Zwiebel 1896 Stadtpfarrer in Thannhausen.  Er kümmerte sich sehr um die Menschen und die Marktgemeinde. Ihm verdanken wir das Christoph von Schmid – Denkmal, das im Jahr 1901 errichtet wurde. Jakob Zwiebel starb im Jahre 1918. Heute erinnern uns sein Reliefbild und die Jakob-Zwiebel-Straße  an den damals sehr beliebten Pfarrer. (Info und Bilder unten)

Augsburger Allgemeine - 14.12.2018   Von Alois Knoller

Jakob Zwiebel

Ein Pfarrer mit Visionen und Tatkraft

 

Thannhausen

"Der edle und allbeliebte Pfarrherr von Thannhausen hat die bisher nimmermüden Hände zur Ruhe im Grabe gefaltet." Mit diesem Satz aus dem "Krumbacher Boten" erfuhr die Bevölkerung den Tod von Jakob Zwiebel, der im Alter von 62 Jahren, auf einer Reise befindlich, in Kaufbeuren nach einem Schlaganfall ganz überraschend gestorben war. Der Königlich Geistliche Rat wirkte 23 Jahre mit großem Einsatz in der damaligen Marktgemeinde - weit über seine seelsorgerische Arbeit hinaus - auch im aktiven Gemeindeleben mit. Er gilt noch immer als einer der "Großen Thannhauser".   Von  Hans Bosch
Die feierliche Beisetzung am 12. Oktober 1918 - also vor 90 Jahren - begann mit einem Leichenzug, an dem sich "ganz Thannhausen beteiligte", wie der Chronist berichtet. "Sarg und das Grab waren mit den prächtigsten Kränzen geschmückt." Vom "Hochwürdigsten Bischöflichen Domkapitel" in Augsburg waren die beiden Domkapitulare Monsignore Friesenegger und Gernlein gekommen und aus München im Auftrag des Bayerischen Landtags der Abgeordnete, Monsignore und Vereinspräses Walterbach. Den "hochfeierlichen Akt" leitete Dekan Sandtner (Jettingen), der als Studienfreund und Mitbruder die Leistungen Jakob Zwiebels würdigte. Bezirksamtmann Riedl aus Krumbach rühmte dessen "hervorragende Tüchtigkeit als Lokal- und Distriktsschulinspektor" und "seine Verdienste um die Allgemeinheit in sozialer, wirtschaftlicher und caritativer Weise".
Wer war dieser Jakob Zwiebel? Als Mann mit "Visionen und Tatkraft" beschreibt ihn Heinrich Lindenmayr in seinem Büchlein "Am Ziel", das vor wenigen Jahren zum Thema "Thannhausen wird Stadt" erschienen ist. Was er dem Markt gegeben habe, sei "imposant und in der zeitlichen Abfolge beeindruckend". Die Liste ist lang und gut nachvollziehbar, weil es von Jakob Zwiebel ein Tagebuch für die Jahre von 1894 bis 1914 mit umfangreichen Aufzeichnungen gibt.
Am 29. Februar 1896 tritt Jakob Zwiebel die Pfarrstelle in Thannhausen an. Schon im Juli, so ist in der Stadtgeschichte von Leonhard Rugel zu lesen, bemüht er sich um ein Denkmal für den großen Priester und Literaten Christoph von Schmid. Es sollte bis zum Jahre 1901 dauern, bis die Bronzefigur beim Münchner Erzgießer Oskar von Miller bestellt werden konnte. Feierlich enthüllt wurde das Denkmal vor dem heutigen Rathaus dann im September 1901. Zwiebel darüber in seinem Tagebuch: "Was es Mühe, Arbeit und Tränen gekostet hat, steht im Buche des Lebens geschrieben. Möge jeder meiner Nachfolger sich hüten, irgend jemandem ein Denkmal zu errichten."

Rund ein Jahr nach dem Amtsantritt ist Zwiebel maßgeblich an der Gründung des Darlehenskassenvereins (heute Raiffeisenbank) beteiligt, in dem sofort 82 Bürger aus Thannhausen, Nettershausen und Burg Mitglieder werden. 1888 gründet der Pfarrer in Thannhausen einen Katholischen Gesellenverein, kümmert sich mit großem Einsatz um den Bau eines Elektrizitätswerks mit der Folge, dass ab Dezember 1903 die ersten Straßen im Markt elektrisch beleuchtet sind. Wenig später werden unter seiner Regie der Kirchfriedhof erweitert und die Leichenhalle gebaut. 1906 gründet er im Marktbereich eine ambulante Krankenpflege und auch das Bemühen, in Thannhausen ein Distriktkrankenhaus zu bauen, kann Zwiebel schließlich 1913 für sich als Erfolg buchen. Misslungen ist ihm jedoch das Anliegen, die seit 1894 bestehende Bahnlinie Dinkelscherben - Thannhausen nach Kirchheim zu verlängern. Diese Pläne wurden letztlich 1910 endgültig ad acta gelegt.

Der überraschende Tod zeigte den Thannhausern, was sie mit dem Pfarrherrn Jakob Zwiebel verloren hatten. Man war sich einig: "Die Pfarrgemeinde und ganz besonders die Jugend, der er 23 Jahre hindurch der treu sorgende Seelenhirte gewesen, dann aber auch viele Vereine, die in ihm einen echt sozial fühlenden Förderer verehrten, verlieren viel, sehr viel." Weiter heißt es: "Ihm war bis zuletzt eine außerordentliche Frische des Geistes und des Körpers gegeben." Der frühe Tod machte es der Kommune unmöglich, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen, die er beim Ausscheiden aus dem aktiven Seelsorgedienst sicher erhalten - und auch verdient hätte.

 

Mittelschwäbische Nachrichten 20.10.2008  

Text von Hans Bosch

 

Bilder: K.L.
Reliefbild am Südportal der Thannhauser Stadtpfarrkirche

 

"Geistlicher Rat

Jacob Zwiebel

geboren 25. Juli 1857 (in Autenried)

gestorben 9. Okt. 1918 (in Kaufbeuren)