Geschichte der Juden in Thannhausen

Warum gibt es in Thannhausen eine JUDENGASSE?
(Heimatheft-Eintrag Nr. 11)
Im Mittelalter lebten in Thannhausen rund 400 Juden. In der heutigen Ursberger Straße hatten sie eine eigene Schule, die „Judenschuol“. (Erstmalige Erwähnung von Juden in Thannhausen 1541 - Im Jahr 1595 waren 254 jüdische Bürger gemeldet, das waren ca. 13 % der Bevölkerung. 1627 Neubau einer Synagoge im unteren Markt - Sie wurde 1719 abgerissen.)
Die Juden verkauften die Waren der Thannhauser Handwerksleute auf den Märkten in Augsburg und Ulm und hausierten rund um Thannhausen. Doch die Juden waren unbeliebt. Viele sagten: „Die Juden sind schuld an der Pest!“ Auch in Thannhausen mussten Juden unfreiwillig den Ort verlassen. Anfang des 18. Jahrhunderts übernahm der Graf von Stadion die Reichsgrafschaft Thannhausen. 1718 gab Kaiser Karl IV von Österreich die Erlaubnis, alle noch anwesenden Juden (ca. 20 Familien) aus Thannhausen auszuweisen. Die meisten fanden eine neue Unterkunft in Krumbach und Ichenhausen.

Die jüdische Synagoge - das Gebetshaus der Juden - wurde abgerissen. 1722 wurde an ihrer Stelle die Stadionkapelle erbaut. Man nannte sie auch "Judenkapelle". Rechts am Eingang der „Stadionkapelle“ steht noch heute der Opferstock der alten Synagoge (siehe Bild)
Nur noch wenig erinnert uns heute an die Thannhauser Juden:
Die Bezeichnung „Judenkapelle“ für die Stadionkapelle, der Straßenname „Judengasse“ und der Flurname "Judenbegräbnis" nördlich der Jugendbegegnungsstätte an der B 300 (Augsburger Berg). Er weist auf einen jüdischen Friedhof hin.
Es gab auch Juden, die sich mit ihrem Familiennamen "Thannhauser" nannten. 
In New York (USA) kann man eine berühmte Kunstsammlung mit dem Namen "The Thannhauser Collection" besuchen. Die Vorfahren des Kunstsammlers Heinrich Thannhauser stammten aus unserem Thannhausen. (Zeitungsartikel hierzu unten)

Weitere Infos:

http://www.alemannia-judaica.de/thannhausen_synagoge.htm

http://www.hagalil.com/2011/02/thannhausen/

http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/1930-thannhausen-schwaben-bayern

 

Top-Galeristen und ihre Wurzeln an der Mindel Thannhausen/Krumbach (hli) - Der Name "Thannhauser" zählt zu den herausragenden in der Kunstwelt. Heinrich Thannhauser (1859 bis 1934) und sein Sohn Justin (1892 bis 1976) waren Kunsthändler und erwarben sich Weltruhm. Während des Nationalsozialismus verlegten sie ihre Geschäfte von Berlin erst nach Paris, dann nach New York. Die Wurzeln der beiden "Thannhauser" lassen sich zurück verfolgen nach Thannhausen.

Als Josef Schuster aus Thannhausen erfuhr, dass das berühmte Guggenheim Museum in New York eine in Kunstkreisen kaum minder bekannte Abteilung mit dem Namen "The Thannhauser Collection" hat, ließ ihm das keine Ruhe mehr. Hat der Name dieser außerordentlichen Sammlung von 73 Spitzenwerken der Moderne, darunter 32 Werke von Pablo Picasso, etwas zu tun mit Thannhausen in Schwaben? Josef Schuster forschte nach und ihm wurde bestätigt, dass die Vorfahren dieser Kunsthändler aus einer Gemeinde namens Thannhausen in der Nähe von Ulm stammten und dass einer dieser Vorfahren Baruch Löw hieß. Dieser Baruch Löw ist im Bronnenmaier-Heimatbuch nachgewiesen, so steht für Josef Schuster fest, dass die Wurzeln der "Thannhauser" nach Thannhausen zurück reichen, was er jetzt im Pfarrheim darlegte.
Heinrich und Justin Thannhauser waren Kunstsammler und Kunstkenner. Allein die Tatsachen, dass sie die erste Ausstellung des dann bald berühmt gewordenen "Blauen Reiter" organisierten und dass Justin Thannhauser "der" Galerist von Pablo Picasso wurde, sprechen für sich.
Begegnung mit Picasso - Eine Anekdote erzählt, dass der noch erfolglose und mittellose Picasso mit einem Bild durch Paris gelaufen sei. Als er an einem Straßencafé vorbeikam, in dem Justin Thannhauser saß, habe der sich das Bild zeigen lassen und es spontan für 100 Francs gekauft. Das war der Beginn einer Freundschaft und erfolgreichen Zusammenarbeit von Thannhauser und Picasso.
Heinrich und Justin Thannhauser waren Kunsthändler und keine Kunstsammler. Sie machten es sich aber zur Gewohnheit, pro Jahr ein Bild beiseite zu nehmen und bauten damit eine kleine, feine Sammlung auf. Diese bildete den Grundstock für die "Thannhauser Collection" des Guggenheim Museums. Den kleinen Vortrag von Josef Schuster im Pfarrheim Thannhausen ergänzte Sigurd Rakel mit einem Referat über die außergewöhnliche Kunstkennerschaft von Heinrich und Justin Thannhauser. Rakel würdigte das außerordentliche Gespür der beiden Galeristen, ihren Verdienst für die Entwicklung der modernen Kunst. Mit der 400-jährigen Bildtradition hätten die damaligen Künstler gebrochen, betonte Rakel. Den Normalbürger habe das verstört, aber Heinrich und Justin Thannhauser hätten den Wert dieser Bilder erkannt und seien auf diesem Wege zu Pionieren der neueren Kunst geworden.  Artikel in den Mittelschwäbischen Nachrichten vom 08.10.07

Bild oben von der KEG Reise 2000 nach New York vor dem Guggenheim Museum

Juden in Ichenhausen - Ehemalige Synagoge     Infos zur Tonbildschau der KEG