Feier: "50 Jahre Schulgebäude" 16.10.1955 - 15.10.2005

 

Unser Schulhaus wird 50 Jahre alt. Wir laden Sie ein. 

Sehr geehrte Damen und Herren, am Sonntag, 16. Oktober 1955 wurde das neue Volksschulgebäude der Stadt Thannhausen eingeweiht. Wir nehmen dieses Ereignis zum Anlass, Sie und interessierte Angehörige recht herzlich zu einer informativen und unterhaltsamen Feierstunde zum 50. „Geburtstag" unseres Schulgebäudes einzuladen.
Insbesondere würden wir uns über den Besuch jener freuen, die als Schüler oder Lehrkräfte beim damaligen Fest dabei waren oder in diesem Schulhaus seit 1955 gearbeitet und gelernt haben. Bitte geben Sie die Einladung auch an Klassenkameraden weiter, die nicht mehr in Thannhausen zu Hause sind. Wir feiern am  Samstag, 15. Oktober 2005, um 20 Uhr in der Aula der Anton-Höfer-Grundschule.

 

Programm zum 50. „Geburtstag" unseres Schulgebäudes
Begrüßung durch den 1. Bürgermeister der Stadt Thannhausen Johannes Schropp

Vortrag mit Bildern auf einer Großleinwand und Gesprächsrunde mit Zeitzeugen 
zum Thema: Die Schulgeschichte Thannhausens mit dem Schwerpunkt der Ereignisse in den 40er, 50er und 60er Jahren
Vortrag und Moderation: Karl Landherr und Eva Bayer
Zeitzeugen: Die ehemaligen Rektoren Paul Ernst und Nepomuk Staudinger und die damaligen Schüler Johann Zirngibl, Manfred Göttner, Bärbel Pfannenstiel und Überraschungsgäste aus dem Publikum mit spontanen Erlebnissen und Anekdoten aus der damaligen Zeit.  
Der Lehrerchor der Anton-Höfer-Grundschule umrahmt die Feierstunde mit Liedern aus den 50er Jahren.
Anschließend laden wir Sie zu einem Umtrunk und geselligem Beisammensein ein. 
Dabei können Sie auch eine Fotoausstellung  zur Schulweinweihung und das jetzige Schulgebäude anschauen.

Mit freundlichen Grüßen    

Johannes Schropp, 1. Bürgermeister Stadt Thannhausen     Karl Landherr, Rektor

 

Texte zur Bildergalerie oben:

Moderation durch Karl Landherr und Eva Bayer:

Wer ist auch so alt (jung?) wie unsere Schule?             

Premiere für den Lehrer(innen)-Chor der ahgs

"Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt..."

Zeitzeuge: Johann Zirngibl  "1944: Das Holz zum Heizen haben wir selber mitgebracht..."

Bärbel Pfannenstiel  "1955: Im Keller gab es 8 Wannenbäder und 24 Duschkabinen -
immer zwei zusammen durften in eine Badewanne sitzen..."  

Zeitzeuge: Paul Ernst "1950: Als Handwerkszeug gab es eine Schachtel weiße Kreide..." 
Manfred Göttner  "1955: Das Eislaufen im Sportunterricht auf dem Eichberg war super!"

1955  Ulrike Jähnig (verh. Gabriel) sprach 1955 als Schülerin den Prolog (links Renate Rautenberg)

Zeitzeuge: Hans-Dieter Hörtrich  "1970: Vor lauter Rauch konnte man einmal 

in der Konferenz Rektor Staudinger nicht mehr sehen..."

Drei Schulratsgenerationen aus dem Landkreis Günzburg: Otmar Marxer, Heinz Leopold, Josef Seibold zu Gast - Zeitzeugen aus dem Publikum - Danke dem Elternbeirat für die Bewirtung....und Manfred Göttner für die Spende der Getränke

 

Lied des Lehrerchors: Unser Schulhaus von Thannhausen...
(nach der Melodie: "Das alte Haus von Rocky Docky")

 

Unsre Schul hat heut Geburtstag unsre Schul wird 50 Jahr’. 
Darum sind wir hier versammelt, darum sind wir alle da.
D’ alte Schul’ war halb verfallen, und sie war auch viel zu klein,
darum passten keine Kinder mehr hinein. 

 

Refrain:
Ja, unser Schulhaus von Thannhausen hat vieles schon erlebt,
kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt,
Das Schulhaus von Thannhausen sah Angst und Pein und Not,
es wartet jeden Abend aufs neue Morgenrot.

 

An der Mindel lag ein Grundstück das Herr Kieninger uns gab,
und die Stadt baute `ne Schule die sehr schön im Grünen lag.
Denn im alten Haus da störte der Verkehr die Lehrer sehr,
und sie wünschten sich viel Ruhe und noch mehr

 

Die neue Schule war geräumig und sie war auch sehr modern,
alle Schüler konnten lernen, und sie kamen meistens gern.
Von der Decke hingen Lampen riesengroß und damals hell
und Lautsprecher melden Neuigkeiten schnell.

Über jedem Klassenzimmer hing ein sehr lehrreiches Schild
„Junger Lügner, alter Dieb drum Kind bewahr die Wahrheit lieb!"
Und die Glocke scheppert immer wenn die Stunde ist vorbei,
in der Pause geht man brav in Zweierreihn.

Seitdem hat sich viel verändert, seitdem hat sich viel getan:
Umbau, Anbau und Sanierung ham der Schule gut getan.
Doch dann kam die Überschwemmung alles schwamm die Mindel na,
und wir fingen wieder ganz von vorne a.

Refrain nur nach dieser Strophe
 

Ja. unser Schulhaus von Thannhausen hat vieles schon erlebt,
kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt.
Das Schulhaus von Thannhausen sah Wasser, Schlamm und Not,
es wartet jeden Abend, ob neues Wasser droht.

 

Um die Schule stehn nun Mauern die mit Blumen sind geschmückt,
auch im Haus ist alles bestens, ja, wir sind sehr gut bestückt.
Unsre Stadt tut viel für d` Schule auch wenn ihre Kassen leer
dafür danken wir ihr heute alle sehr.

 

Bilder von der Schuleinweihung 1955 und früher

Die neue Volksschule in der Röschstraße im Jahr 1955 

Klassenzimmer mit Glaswand zum Gruppenraum              

Baumpflanzung im Jahr 1957

Schulgelände vor dem Schulhausbau (links unten) nach der Pflanzaktion im Jahr 1957

Die im Jahr 1890 erbaute alte Volksschule in der Bahnhofstraße war zu klein geworden!

Das 1790 erbaute vorherige Schulhaus (links), jetzt Rathaus - Hier wohnte 1. Stock Christoph Schmid

Die katholische Stadtpfarrkirche - erbaut im Jahr 1746
und davor das Mesnerhaus - Abbruch 1875 wegen Straßenverbreiterung -

Hier wohnte die Familie Höfer.

Thannhausen um das Jahr 1840 - Blick von Westen

Weitere Bilder: 50 Jahre Schulhaus Thannhausen

Die Runde ehemaliger und jetziger Schulleiter im Sommer 1997 

von l.n.r.: Karl Landherr, Nepomuk Staudinger, Hans-Dieter Hörtrich, 
Mechtilde Walz (im Juli 2002 verstorben), Bürgermeister Johannes Schropp und Paul Ernst Lehrerkollegium mit Hauspersonal im Frühjahr 1990 (ohne Rektor Paul Ernst)1974: 8. Klasse mit Lehrer Hans-Dieter Hörtrich und Rektor Nepomuk Staudinger

1974: 2. Klasse mit Junglehrer Karl Landherr

1955: 7. Klasse mit Lehrer Paul Ernst beim Eislaufen (Jg. 1942/43)

1939: Jahrgang 1932/33 im alten Schulhaus

ca. 1910  Schulleiter Alois und sein Sohn Josef Rösch zusammen mit Pfarrer Jakob Zwiebel

im alten Schulhaus, das 1890 erbaut wurde.

Auswahl an Spruchtafeln in der alten Schule über den Klassenzimmertüren

Mittelschwäbische Nachrichten am 18.10.2005

Tiefe Einblicke in die Schulgeschichte  - Jubiläum der Anton-Höfer-Grundschule Thannhausen
 

Von unserem Mitarbeiter Dr. Heinrich Lindenmayr
Thannhausen - Vor 50 Jahren zog die Volksschule Thannhausen in das neue Gebäude an der Röschstraße. Rektor Karl Landherr und sein Kollegium nahmen das Jubiläum zum Anlass, die Schulgeschichte öffentlich zu präsentieren. Das Ergebnis war ein sachkundiger Vortrag in der Aula über die Schulgeschichte, garniert mit vielen, teils noch unveröffentlichten Fotos und Redebeiträgen von Zeitzeugen. 
Thannhausen kann als Schulstadt mit einigen Besonderheiten aufwarten. Bereits im frühen 17. Jahrhundert gab es am Ort drei Schulen, die Christenschule, die Judenschule und die Juden-Studentenschule. Eine Vielfalt gab es auch zu der Zeit, als der berühmte Christoph von Schmid für die Schulen in Thannhausen zuständig war. Damals, im frühen 19. Jahrhundert, hatte Thannhausen neben der "ordinären Schul" auch eine Lateinschule und eine Industrieschule. In der neueren Schulgeschichte sind vor allem die Schulbauten, der Wandel der Pädagogik und markante Lehrerpersönlichkeiten von Interesse. Über das Schulleben von Anno dazumal berichteten in kurzen Redebeiträgen Hans Zirngibl, Manfred Göttner, Bärbel Pfannenstiel sowie die Rektoren Paul Ernst und Hans Dieter Hörtrich. 
Zirngibl erinnerte sich an die Maikäfer- und Kartoffelkäfersammelaktionen der Schüler, Göttner waren die deftigen Prügelstrafen und die oft ungenießbare Schulspeisung gut im Gedächtnis. Bärbel Pfannenstiel erzählte davon, dass es in der neuen, am 16. Oktober 1955 eingeweihten Schule einen Raum im Keller gab, wo Schüler ein Wannenbad oder eine warme Dusche nehmen konnten zu einer Zeit, da noch fast kein Haushalt über ein eigenes Badezimmer verfügte. 
Paul Ernst erinnerte an die Korrektheit und Sparsamkeit eines Ludwig Schnadel und an die exzellenten gesellschaftlichen Beziehungen von Max Kneitinger, der im 2. Weltkrieg der ranghöchste aus Schwaben stammende Offizier der deutschen Wehrmacht gewesen sei. Großes Lob zollte Paul Ernst Wilhelm Donderer, dem Bürgermeister Thannhausens von 1952 bis 1966. Der gelernte Schreinermeister habe überall durch seine ganz außergewöhnliche, autodidaktisch erworbene Bildung Aufsehen erregt und sehr viel öffentliche Gelder in die Bildungseinrichtungen der Stadt investiert. 
Mehr als 50 Schüler
Wie Paul Ernst wusste auch der jüngst pensionierte Hauptschulrektor Hans Dieter Hörtrich über große Klassen mit mehr als 50 Schüler zu berichten, von den Unterschieden zwischen einer ländlichen und einer städtischen Volksschule, von der Raumnot, die ihn zwang, in der Aula zu unterrichten. Die 68-Bewegung ging nicht spurlos am Verhalten der Lehrer vorbei, die zu dieser Zeit schon mal barfuß in den Unterricht kamen oder im Lehrerzimmer so stark rauchten, dass der Qualm nicht nur das Atmen, sondern auch die Sicht behinderte. 
Karl Landherr und sein Team hatten sich auf den Abend gut vorbereitet. Alte Schulbänke und Einrichtungsgegenstände schmückten die Aula. Viele Bilder garnierten via Power-Point-Präsentation den Vortrag. Passend zum Datum 1955 trug der Lehrerchor "Das Haus von Rocky Docky" vor, einen Schlager aus diesem Jahr, zu Beginn der Veranstaltung im Original, am Ende mit einem auf das Schulleben der Anton-Höfer-Grundschule umgedichteten Text

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Mittelschwäbische Nachrichten am 15.10.2005

Umweltpreis aus den Händen Angela Merkels
Die Anton-Höfer-Grundschule in Thannhausen feiert ein Jubiläum -
Berühmt für den Schulgarten, der schon mehrfach prämiert wurde

Von unserem Mitarbeiter Dr. Heinrich Lindenmayr  
Thannhausen      Idyllisch in einer Parklandschaft und eingebettet zwischen Mindel und Mühlbach liegen die Schulen in Thannhausen. Im Elf-Jahres-Rhythmus folgten sie einander: 1955 die heutige Grundschule, 1966 die Christoph-von-Schmid-Realschule und 1977 die Hauptschule. Die Lage in der Natur machten die Lehrkräfte der Grundschule zu einem Prinzip: Der ökologisch angelegte Schulgarten erhielt mehrere Preise, das Flachdach ziert ein prächtiger Trockenrasen, der Hochwasserschutz besteht aus einer naturfachlich hochwertigen Trockenmauer.

Es war ein Höhepunkt seiner beruflichen Karriere, wie ihn sich Karl Landherr, Rektor der Anton Höfer-Grundschule Thannhausen, nicht schöner hätte träumen können. 1996 durfte er für seinen ökologisch vorbildlichen Schulgarten in Hamburg den Sven-Simon-Preis aus den Händen von Angela Merkel, der damaligen Bundesumweltministerin und der heute designierten 1. Bundeskanzlerin Deutschlands, entgegennehmen. Prämiert worden war die ökologische und schülernahe Gestaltung der Außenanlagen der Anton-Höfer-Grundschule. Etwas ganz Besonderes war und bleibt diese Auszeichnung, wiewohl der Schulgarten gleich mehrfach prämiert wurde: 1989, noch unter der Regie von Rektor Paul Ernst, gewann er den Umweltpreis des Landkreises Günzburg, 1991 wurde er zunächst Bezirkssieger beim Wettbewerb "Natur im Schulumfeld", dann belegte er den 2. Platz beim Landeswettbewerb, und auch hier war es ein Umweltminister, der Landherr den Preis aushändigte, der damalige bayerische Umweltminister Peter Gauweiler. Schließlich gewann die Schule im Jahr 2001 noch den "Blauen Adler" der Allianz-Umweltstiftung.

Eine etwas kuriose Rolle spielte der Umweltgedanke bereits im Vorfeld des Schulneubaus, der morgen vor genau 50 Jahren, am 16. Oktober 1955, eingeweiht wurde. Es spielte nämlich nicht so sehr die Raumnot im ehemaligen Volksschulgebäude Thannhausens an der Bahnhofstraße die zentrale Rolle bei der Forderung nach einem Schulneubau Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die eigentliche Begründung lautete, die Schule müsse weg von der Bahnhofstraße verlegt werden, weil der Verkehrslärm unerträglich geworden sei.

Am 14. August 1952 beschloss der Marktgemeinderat Thannhausen, eine neue Schule zu errichten. Zwei Jahre später, Thannhausen war mittlerweile Stadt geworden, vergab der Stadtrat die Planung des Gebäudes an den Krumbacher Architekten Karl Kling und die Bauarbeiten an die örtliche Baufirma Alfred Zepf. Auch das alte Schulgebäude an der Bahnhofstraße war ein Zepf-Bau gewesen, Maurermeister Jakob Zepf hatte es 1890 zum Preis von 30 200 Mark erstellt.

Aus den ursprünglich vier Klassenzimmern hatte man im Lauf der Zeit durch Umbauten zehn Lehrsäle gemacht. Das alte Gebäude hätte also durchaus die 340 Schüler, auf neun Klassen verteilt, aufnehmen können, die im Oktober 1955 in die neu erbaute Schule an der Mindel einzogen. Die Entscheidung für den Neubau war dennoch die richtige. Zum einen lag die Schule nun wirklich abseits vom Straßenverkehr, seiner Lärmbelästigung und seiner Gefährdung der Kinder auf dem Schulweg. Zum anderen entsprach das neue Gebäude den zeitgemäßen pädagogischen und hygienischen Erfordernissen. Drittens boten sich auf dem von Fritz Kieninger gespendeten Areal an der Mindel Gestaltungs- und Erweiterungsmöglichkeiten, welche die Schule in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dringend würde gebrauchen können. Die Schulreform von 1969 machte die Thannhauser Volksschule zu einer Verbandsschule, was einen enormen Schülerzuwachs bedeutete. An der Bahnhofstraße hätte die Schule keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten gehabt. Die neue Lage mitten in der Natur gab auch dem Unterricht wertvolle Impulse. 1957 pflanzten die Schüler die ersten Bäume im Umfeld der Schule, übernahmen ihre Pflege und lernten dadurch den Umgang mit der Natur. Mechthilde Walz, Rektorin von 1960 bis 1968, veranlasste Baumpflanzungen auch nördlich der Schule, im Hansenhohl und auf der Flur zwischen Thannhausen und Münsterhausen. An ihrer ökologischen Pionierarbeit orientierten sich die Schulverantwortlichen, als sie weitere Bäume pflanzten, Biotope im Schulgarten anlegten, das Flachdach begrünten. Und selbst die Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002, welche in der Schule einen Sachschaden von 200 000 Euro anrichtete, blieb nicht ohne eine ökologische Trotzreaktion: Die Schule schützt heute eine Trockenmauer als Damm, ein Ort und Refugium für viele Tiere und Pflanzen.