Deutschkurs für Asylbewerber - Thannhauser Modell

 

Als im Jahr 2014 die ersten Asylbewerber in unsere Stadt Thannhausen kamen, wurden mein Kollege Hans Dieter Hörtrich und ich als ehemalige Rektoren der Haupt- bzw. Grundschule gebeten, den ca. 40 Erwachsenen und Kindern "Deutsch beizubringen". Wir organisierten einen Helferkreis mit ca. 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der sich neben dem Deutschkurs auch um die Themen Alltag, Freizeit und Arbeit kümmerte.

Schnell wurde klar, dass es unseren Sprachschülern zuallererst um die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse im Alltag ging. Erst dann waren sie bereit, sich auf unsere deutsche Sprache intensiver einzulassen. So stand in unserem Helferkreis also eine Erstorientierung verbunden mit der Vermittlung einfacher und situationsbezogener deutscher Sprachkenntnisse im Mittelpunkt. Da die Mehrzahl der Asylbewerber Englisch sprechen konnte, nutzten wir im Unterricht Englisch als Brückensprache.

Leider wurden wir bei der Suche nach geeigneten Lehrbüchern für diese Zielgruppe und unsere Zielstellung nicht fündig. Es gab wenig auf dem Markt der DAZ Literatur, das dieser Zielgruppe in Inhalt und Form angemessen war. So entwickelte unser Team selbst einen Deutschkurs für Asylbewerber auf Arbeitsblattbasis, der gerne auch von anderen Helferkreisen kopiert wurde. Als schließlich die Belastung durch den Versand der Arbeitsblätter zu groß wurde, fassten wir unser Arbeitsmaterial nach eingehender Evaluation zu einem „Workbook“ mit englischen Untertiteln zusammen und boten es ab Juni 2015 über die Website www.deutschkurs-asylbewerber.de zum Kauf an. Im Laufe der Zeit entstanden Arbeitshefte mit Untertiteln in Französisch, Arabisch, Persisch, Tigrinisch, Türkisch und ohne Untertitel sowie je eine Lernkartei zum Arbeitsheft und zum Basisheft. Prof. Dr. Wolfgang Butzkamm (Aachen) bewertete unser Werk so: „Endlich ein preiswerter Sprachkurs, der statt auf Touristen ganz auf die Bedürfnisse der Migranten zugeschnitten ist: Deutschkurs für Asylbewerber, Thannhauser Modell.“

Damit die ehrenamtlichen Helfer sich auch um primäre und funktionale Analphabeten kümmern konnten, entwickelten wir das Basisheft „Lesen – Schreiben – Rechnen“ mit einem einfachen, niederschwelligen Alphabetisierungskurs, den wir erfolgreich mit Asylbewerbern aus Syrien in der Praxis erprobten. Die hohe Akzeptanz des Thannhauser Modells und der damit verbundenen Arbeitsbelastung sowie der Wunsch, wieder mehr Zeit für den ehrenamtlichen Deutschunterricht und Fortbildungen zu haben, veranlasste unser Team, ab 12/2015 Herstellung und Vertrieb an den Auer Verlag in Augsburg abzugeben.

Der Verlag hat es nun ermöglicht, dass wir die zum Arbeitsheft und zum Basisheft bisher online vorliegenden Lehrerhandreichungen als kostenloses Printexemplar allen Interessenten anbieten können. Wir möchten uns beim Verlag dafür herzlich bedanken, dass der Verlag jeder Bestellung nun kostenlos diese Lehrerhandreichung beilegt.

Lehrerhandreichungen waren für uns von Anfang an sehr wichtig, weil viele Nutzer des Thannhauser Modells keine Ausbildung als Lehrer besitzen und dennoch sehr gerne bei den Deutschkursen in den Helferkreisen mitwirken wollten. Deshalb finden Sie in den Handreichungen zum Arbeits- und Basisheft zu jedem Thema umfangreiche Erläuterungen aus der Praxis für die Praxis.

In zahlreichen Referaten unseres Teams in Helferkreisen stellten wir auch reges Interesse an grundsätzlichen Fragen zu den Methoden im Deutschkurs für Asylbewerber fest. Deshalb fügten wir eine Zusammenfassung dieser Methoden als drittenTeil diesen Handreichungen bei.

Wir hoffen und wünschen, dass wir Sie mit diesen Unterlagen in Ihrem Deutschunterricht für Asylbewerber und auch andere Migranten unterstützen können und dass dadurch Ihr Unterricht noch erfolgreicher wird. Doch bedenken Sie immer: Noch wichtiger als Methoden und Inhalte sind die persönliche Zuwendung und die mitmenschliche Nähe, die wir in den Deutschkursen gegenseitig erfahren.

Das Deutschkursteam: Autoren Isabell Streicher, Karl Landherr und Hans Dieter Hörtrich

Illustration: Maria Landherr - Layout: Markus Landherr

Team

"Deutschkurs für Asylbewerber"

Thannhauser Modell

2015

Deutschkurs vor Ort im Rathaus in Thannhausen

Das Bild zeigt die Kursteilnehmerinnen zusammen mit den ehrenamtlichen Lehrkräften Renate Görlitz (links), Hans Dieter Hörtrich und Karl Landherr (rechts) sowie Bürgermeister Georg Schwarz (Zweiter von links).

 

Bild: Stadtverwaltung Thannhausen

 

 

Der Helferkreis bietet jetzt Sprachkurse für EU-Bürger an

Immer mehr Bürger aus EU-Ländern nutzen das kostenlose Angebot des Integrations-Helferkreises Thannhausen, um die deutsche Sprache zu erlernen. Die ehemaligen Rektoren der Haupt- und Grundschule Hans Dieter Hörtrich und Karl Landherr bieten mit ihrem Team je einen Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs an. Im Rahmen des „Unterrichts vor Ort“ besuchten einige Kursteilnehmerinnen das Rathaus in Thannhausen und erhielten von Bürgermeister Georg Schwarz eine Führung.

Anschließend stellten sich die Frauen, die vorwiegend aus den EU-Ländern Italien, Ungarn, Kroatien, Polen und dem Kosovo kommen, im Gespräch mit dem Bürgermeister vor. Die meisten von ihnen begleiten ihre Männer, die hier einen sicheren und besser bezahlten Arbeitsplatz gefunden haben. Nachdem ihre Kinder vormittags den Kindergarten oder die Schule besuchen und dort im „Sprachbad“ der Mitschüler Deutsch lernen, hatten auch die Mütter den Wunsch, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Mit dem Sprachkursangebot des Integrations-Helferkreises unter Leitung von Hans Dieter Hörtrich und Karl Landherr konnte dem Wunsch entsprochen werden. „Da keine neuen Asylbewerber mehr nach Thannhausen kamen und die bereits anerkannten Migranten offizielle Sprach- und Integrationskurse besuchten, öffneten wir unseren Kurs für alle, die ohne Prüfungsdruck Deutsch lernen wollten“, sagte Hörtrich. Die Anton-Höfer-Grundschule informierte die Mütter von ausländischen Schülern über das Angebot und immer mehr Frauen nutzen nun das kostenlose Angebot, das zweimal in der Woche stattfindet. „Wir bieten einen Fortgeschrittenenkurs und parallel dazu einen Anfängerkurs mit dem Arbeits- und Basisheft des „Thannhauser Modells“. Ziele sind die Vermittlung einfacher und situationsbezogener deutscher Sprachkenntnisse und Informationen über den Alltag und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft“, erläutert Landherr das Angebot. Interessenten könnten jederzeit am Montag und Mittwoch von 10 bis 11 Uhr in das BRK-Haus im alten E-Werk in der Edmund-Zimmermann-Straße 48 dazu kommen.

Bürgermeister Georg Schwarz wertete das Angebot des Helferkreises als guten Beitrag zur Integration und lud die ausländischen Mitbürgerinnen ein, sich zusammen mit ihren Familien am Gemeinwesen der Stadt zu beteiligen, zum Beispiel durch die Mitwirkung in Vereinen, bei Festen und Feiern oder auch bei der Kommunalwahl am 15. März 2020, bei der EU-Bürger ein aktives und passives Wahlrecht haben. (zg)

Mittelschwäbische Nachrichten vom 25.2.2019